Internationale Behandlungsempfehlungen

Die WPATH erarbeitet regelmäßig aktuelle Behandlungsstandards mit internationalem Geltungsanspruch. Diese können von der Seite der WPATH geladen werden. An ihrer Erstellung sind auch deutsche Wissenschaftler beteiligt sowie Betroffene.

In Deutschland erarbeitete Behandlungsrichtlinien

Vorbemerkung Dr. Seikowski, Leipzig, zu den SOCs der DGFS von 1997:

Vorbemerkung von Dr. Seikowski
Vorsitzender der Dt. Gesellschaft für Sexualwissenschaften

Sophinette Becker von der Universität Frankfurt/Main hatte eine Gruppe von “Fachleuten” eingeladen, um diese Standards aufzustellen. Diese SoC haben keinerlei bindenden, offiziellen oder gar gesetzlichen Charakter.

Die SoC gehen vielmehr von einer inzwischen überholten Vermutung zur Ursache der Transsexualität aus, nämlich lt. Einleitung:

“…weitgehend ungeklärt…psychosexuelle Entwicklungsstörung…”.

Heute benennen führende Ärzte und Fachleute die pränatale Prägung als wahrscheinlichste Ursache der Transsexualität. Das bedeutet eine vorgeburtliche Prägung des Gehirns, die dann nicht mehr zu ändern ist. Untermauert wird diese Annahme auch dadurch, daß keine “Heilung” im medizinischen Sinn bekannt ist. Diese heutige Sichtweise hilft, nun zutreffendere medizinische und soziale Hilfe zu geben.

Abgesehen davon, daß diese SoC von einer offensichtlich falschen Ursache ausgehen, ist u.a. folgende Kritik gerechtfertigt:

  • Die Selbstdiagnostik wird unterschätzt.
  • Diese SoC wurde ohne Mitwirkung von Betroffenen aufgestellt.
  • Die Psychotherapie – Pflicht ist ethisch und rechtlich problematisch.
  • Warum nur Diagnostik psychopatalogischer Auffälligkeiten und nicht auch der psychischen Gesundheit?
  • Diese SoC vermischen unzulässigerweise das medizinische Verfahren mit dem juristischen.
  • Wieso eine so lange Zeit von 1 Jahr bis zur Indikationsstellung der Hormonbehandlung?
  • Ärztliche Arbeit orientiert sich an starren Zeitraster.

Diese Diagnostik könnte von zwei erfahrenen Ärzten innerhalb von 3 Monaten zu einem Ergebnis führen. Grundsätzlich ist eine klientzentrierte ärztliche Arbeit vorzuziehen, die individuelle Entwicklung des betroffenen Menschen bestimmt hierbei das Vorgehen!

Aus Sicht des LSVD gilt diese Kritik sinngemäß erst recht für die Behandlungsrichtlinien des MDS, die sogar gegenüber den alten Behandlungsstandards rücksschrittlich sind.

Begutachtungsrichtlinien des MDS bei “Transsexualität”

Diagnose F64.0

  • enthalten in Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (F60-F69)
  • extern: Website der DIMDI (Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information)

DSM IV

APA
American Psychiatric Association
Amerikanische Psychiatrie Vereinigung
– diagnostische Leitlinien
– diagnostische Kriterien
DSM lV
Diagnostisches und statistisches Manual 4. Auflage (1991)
Von der APA erstellt und 1994 übersetzt von Prof. Dr. Dr. Klaus M. Beier, Berlin & PD Dr. Hartmut A. G. Bosinski, Kiel

Diagnostische Leitlinien:

Die Transsexuelle Identität muß mindestens 2 Jahre durchgehend bestanden haben und darf nicht ein Symptom einer anderen psychischen Störung, wie z.B. einer Schizophrenie, sein. Ein Zusammenhang mit intersexuellen, genetischen oder geschlechtschromosomalen Anomalien muß ausgeschlossen sein.

DSM-IV (S.532 ff., Übers. V. Bosinski, 1994a):

Kriterium A: Eine tiefgreifende und andauernde Identifikation mit dem biologisch anderen Geschlecht

Kriterium B: Ein andauerndes Unbehagen oder Gefühl der Inadäquatheit im tatsächlichen (biologischen und Erziehungs-) Geschlecht

Kriterium C: Den Ausschluß eines Intersex-Syndromes (z.B. Androgen-Insensivitäts-Syndrom oder kongenitales Andrenogenitales Syndrom)

Kriterium D: Den Nachweis von klinisch signifikantem Streß oder Störungen im sozialen, beruflichen oder anderen wichtigen Bereichen und Funktionen