Transsexuelle sind in vielen Lebensbereichen, etwa im Erwerbsleben, in der Familie, im Wohnumfeld, im Bildungs-, Gesundheits- und Versicherungswesen, im Freizeitbereich oder nicht zuletzt im öffentlichen Raum einem erheblichen Diskriminierungspotential ausgesetzt. Zu diesem Umstand gab es bis 2012 in Deutschland kaum empirisch belastbare Untersuchungen. Den bislang erhobenen Studien liegen keine eigenen Feldforschungen zugrunde, sondern nur Daten, meist aus anderen Ländern.

Im Rahmen des „Aktionsplanes für Gleichstellung und Akzeptanz sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in NRW“ beauftragte das Ministerium für Gesundheit, Emanzipation, Pflege und Alter (MGEPA) des Landes Nordrhein-Westfalen den LSVD NRW mit einer ersten empirischen Studie.

„Ziel dieser Studie war eine Bestandsaufnahme über die unterschiedlichen Lebensverläufe transsexueller Menschen in NRW“, so die Studienleiterin Deborah Reinert vom LSVD Ortsverband Köln. „Im Fokus standen dabei die soziale Situation, die Familie und das Elternhaus, der Freundeskreis oder das weitere soziale Umfeld. Uns interessierte beispielsweise die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung, der Umgang mit der sexuellen Orientierung und Erfahrungen mit mehrdimensionaler Diskriminierung. Ebenso fragten wir nach Problemen, die in verschiedenen Lebensabschnitten, in unterschiedlicher Form auftreten können, z.B. während der Transition, wenn noch kein gutes Passing besteht und später nach abgeschlossener Transition.“

Ausgangspunkt der Fragestellung war die “Problembeschreibung Transphobie“, die im Kontext des landesweiten Aktionsplans gegen Homo- und Transphobie in der Zusammenarbeit mit mehreren NROs entwickelt wurde.

Die Untersuchung arbeitete sowohl qualitativ mit biographisch orientierten Interviews als auch quantitativ mit einem Fragebogen, der über die Selbsthilfegruppen in NRW verteilt wurde. und über die Website des LSVD geladen werden konnte. Befragt wurden Personen aus NRW, die eine Vornamens und/oder Personenstandsänderung bereits vollzogen oder beantragt hatten bzw. beantragen wollten.

Für die Studie wurden 30 Interviews geführt und 68 Fragebögen mit insgesamt 89 Fragen zu 13 Themengebieten ausgewertet. Erfasst wurden insgesamt 98 Personen. Seit 1999 wurden in NRW ca. 2521 Verfahren nach dem Transsexuellengesetz (TSG) (Vornamensänderung {VÄ} oder Personenstandsänderung {PÄ}) durchgeführt. Die Stichprobe umfasst also mindestens 3 % aller transsexuellen Menschen in NRW. Wie die Ergebnisse der Studie zeigen, sind transsexuelle Menschen mit vielfältigen Belastungssituationen und Problemen in verschiedenen Lebensbereichen konfrontiert. Die Befragten berichteten von unterschiedlichen Erfahrungen in Bezug auf Akzeptanz und gefühlter Diskriminierung vor, während und nach der Phase der Transition und wählten unterschiedliche Strategien, um ihre Probleme zu bewältigen.

Die Ergebnisse der Studie werden am 7. Mai 2014 im Rahmen der Hirschfeldtage (www.hirschfeld-tage.de) um 19 Uhr im Veranstaltungsraum des LSVD, Hülchrather Straße 4, 50670 Köln vorgestellt.

>> Beitrag zur Studie auf Trans-NRW