Weitere Rechtsgebiete

Neben Personenstandsrecht und Arbeitsrecht gibt es weitere Bereiche, in denen Trans* Menschen auf rechtliche Fragen stoßen: Familienrecht, Datenschutz und Diskriminierungsschutz.

Familienrecht

Im Familienrecht können Trans* Menschen auf besondere Herausforderungen stoßen, insbesondere bei:

Wichtig zu wissen

Das Kindeswohl ist der zentrale Maßstab in allen familienrechtlichen Entscheidungen. Die Transidentität eines Elternteils ist kein Grund, das Sorge- oder Umgangsrecht einzuschränken. Sollten Gerichte dennoch Vorurteile zeigen, ist anwaltliche Unterstützung durch spezialisierte Familienrechtsanwält*innen ratsam.

Anrede und Anschreiben

Nach der Änderung von Vornamen und/oder Geschlechtseintrag haben Trans* Menschen das Recht, entsprechend ihrem neuen Namen und Geschlecht angesprochen zu werden. Dies gilt:

💡

SBGG erleichtert die Änderung

Mit dem Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) seit November 2024 ist die Änderung von Vornamen und Geschlechtseintrag beim Standesamt deutlich einfacher geworden. Nach der Änderung müssen alle Stellen die neuen Daten verwenden.

Der Hinweis, dass eine Änderung "technisch nicht möglich" sei, ist nicht zulässig. Behörden und Unternehmen müssen ihre Systeme entsprechend anpassen oder notfalls manuelle Lösungen finden.

Offenbarungsverbot

Das Offenbarungsverbot schützt Trans* Menschen davor, dass ihre frühere Geschlechtszugehörigkeit ohne ihre Zustimmung offenbart wird. Das bedeutet:

Das Offenbarungsverbot ist sowohl im alten TSG als auch im neuen SBGG verankert.

AGG - Diskriminierungsschutz

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt vor Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. Dies umfasst nach aktueller Rechtsprechung auch Trans* Menschen:

Anwendungsbereiche des AGG

  • Arbeitsleben: Bewerbung, Einstellung, Beförderung, Kündigung
  • Zivilrecht: Zugang zu Gütern und Dienstleistungen (Restaurants, Geschäfte, Fitnessstudios)
  • Wohnen: Vermietung von Wohnraum

Beweislastumkehr

Wichtig: Das AGG enthält eine Beweislastumkehr. Wenn es Indizien für eine Diskriminierung gibt, muss die andere Seite beweisen, dass keine Diskriminierung vorlag. Das erleichtert die Rechtsdurchsetzung erheblich.

Beispiele für Diskriminierung

  • Verweigerung des Zugangs zu Lokalen oder Geschäften
  • Ablehnung einer Bewerbung wegen Transidentität
  • Verweigerung der Nutzung geschlechtsgetrennter Räume (Toiletten, Umkleiden)
  • Mobbing oder Belästigung am Arbeitsplatz

Fristen beachten

AGG-Ansprüche müssen innerhalb von 2 Monaten nach der Diskriminierung geltend gemacht werden. Bei Diskriminierung im Arbeitsverhältnis sollte schnell gehandelt werden.

Datenschutz

Datenschutzrechtliche Fragen können sich ergeben bei:

Grundsätzlich gilt: Nach einer Personenstandsänderung haben Betroffene das Recht, dass ihre Daten in allen Systemen aktualisiert werden. Das Offenbarungsverbot schützt zusätzlich vor ungewollter Weitergabe der früheren Daten.

Anlaufstellen bei rechtlichen Problemen

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Kostenlose Beratung bei Diskriminierung nach dem AGG.

📞 030 18555-1855 🌐 antidiskriminierungsstelle.de

LSVD Rechtsberatung

Der LSVD bietet Rechtsberatung für LGBTQ+ Menschen an.

🌐 lsvd.de

Trans* Beratungsstellen

Viele Trans* Beratungsstellen können bei rechtlichen Fragen unterstützen oder an spezialisierte Anwält*innen vermitteln.

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