Für viele Trans*-Männer und nicht-binäre Personen gehört die Mastektomie zu den wichtigsten Schritten der körperlichen Angleichung. Die operative Entfernung des Brustgewebes kann die Lebensqualität erheblich verbessern und den Leidensdruck durch die Brustdysphorie lindern.
Was genau ist eine Mastektomie?
Die Mastektomie (auch "Top Surgery" genannt) bezeichnet die chirurgische Entfernung des Brustgewebes. Bei Trans*-Männern zielt der Eingriff darauf ab, eine flache, männlich konturierte Brust zu schaffen. Je nach Ausgangssituation und gewünschtem Ergebnis kommen unterschiedliche Techniken zum Einsatz.
OP-Techniken im Überblick
Periareoläre Technik (Schlüssellochmethode)
Diese Technik eignet sich für kleine Brustgrössen (A-Cup oder kleiner) mit guter Hautelastizität.
- Schnitt um die Brustwarze herum
- Brustgewebe wird durch kleine Öffnung entfernt
- Brustwarze bleibt an ihrer natürlichen Position
- Minimale Narbenbildung
Halbkreisförmige Technik
Geeignet für kleine bis mittlere Brustgrössen mit mässiger Hautelastizität.
- Halbkreisförmiger Schnitt unter der Brustwarze
- Mehr Gewebe kann entfernt werden als bei der periareolären Methode
- Brustwarze bleibt meist erhalten
- Geringe bis moderate Narbenbildung
Doppelte Inzision mit freier Brustwarzentransplantation
Die häufigste Methode bei mittleren bis grossen Brustgrössen.
- Zwei horizontale Schnitte oberhalb und unterhalb des Brustgewebes
- Vollständige Entfernung des Brustgewebes möglich
- Brustwarzen werden abgetrennt, verkleinert und neu positioniert
- Sichtbare horizontale Narben
Welche Technik ist die richtige?
Die Wahl der Technik hängt von der Brustgrösse, Hautelastizität und deinen persönlichen Wünschen ab. Im Beratungsgespräch mit dem Chirurgen wird die optimale Methode für dich besprochen.
Vergleich der Techniken
| Technik | Geeignet für | Narben | Brustwarzen |
|---|---|---|---|
| Periareolär | A-Cup, gute Elastizität | Minimal | Natürliche Position |
| Halbkreis | A-B Cup, moderate Elastizität | Gering | Meist erhalten |
| Doppelte Inzision | B-Cup und grösser | Sichtbar | Transplantiert |
Voraussetzungen für die Mastektomie
Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse werden folgende Voraussetzungen geprüft:
- Diagnose: Geschlechtsinkongruenz/Geschlechtsdysphorie durch Facharzt oder Therapeuten
- Indikationsschreiben: Bestätigung der Notwendigkeit des Eingriffs
- Alltagserfahrung: Leben im empfundenen Geschlecht (Dauer variiert je nach Kasse)
- Volljährigkeit: In der Regel ab 18 Jahren (Ausnahmen möglich)
Gut zu wissen
Eine Hormontherapie ist für die Mastektomie keine zwingende Voraussetzung. Viele Trans*-Männer lassen die Brustentfernung als erste oder einzige medizinische Massnahme durchführen.
Ablauf der Operation
Vor der OP
- Ausführliches Beratungsgespräch mit dem Chirurgen
- Fotodokumentation und Aufklärung
- Allgemeine Gesundheitsprüfung
- Narkosegespräch
Der Eingriff
- Dauer: 2-4 Stunden je nach Technik
- Vollnarkose
- Meist ambulant oder mit einer Übernachtung
- Einlage von Drainagen bei grösseren Eingriffen
Nach der OP
- Kompressionsmieder für 4-6 Wochen tragen
- Drainagen werden nach 1-3 Tagen entfernt
- Fadenentfernung nach 10-14 Tagen
- Kein Sport für 4-6 Wochen
- Endgültiges Ergebnis nach 6-12 Monaten sichtbar
Risiken und Komplikationen
Wie jeder chirurgische Eingriff birgt auch die Mastektomie gewisse Risiken:
- Hämatome und Serome: Blut- oder Flüssigkeitsansammlungen, meist gut behandelbar
- Wundheilungsstörungen: Besonders bei Rauchern erhöhtes Risiko
- Sensibilitätsverlust: Taubheitsgefühl im Brustbereich, oft vorübergehend
- Asymmetrie: Leichte Unterschiede zwischen beiden Seiten möglich
- Narbenprobleme: Keloide oder verbreiterte Narben bei entsprechender Veranlagung
- Brustwarzennekrose: Selten, vor allem bei Transplantationstechnik
Kostenübernahme und Antrag
Die Mastektomie wird bei vorliegender Indikation von den Krankenkassen übernommen. Der Ablauf:
- Indikationsschreiben vom Therapeuten/Psychiater einholen
- Chirurg wählen und Kostenvoranschlag erstellen lassen
- Antrag mit allen Unterlagen an die Krankenkasse senden
- MDK-Begutachtung abwarten (falls gefordert)
- Bei Genehmigung: OP-Termin vereinbaren
Bei Ablehnung hast du das Recht auf Widerspruch. Die Beratungsstellen in NRW können dich dabei unterstützen.
Kliniken für Mastektomie in NRW und Umgebung
In Nordrhein-Westfalen und den angrenzenden Regionen gibt es mehrere erfahrene Kliniken:
- Universitätsklinikum Münster - Plastische Chirurgie
- Universitätsklinikum Essen - Spezialisierte Abteilung
- St. Agatha Krankenhaus Köln - Erfahrung mit Trans*-Patienten
- Praxisklinik in Düsseldorf - Verschiedene Anbieter
Erfahrungsberichte einholen
Tausche dich in Selbsthilfegruppen oder Online-Foren mit anderen Trans*-Personen aus, die bereits eine Mastektomie hatten. Persönliche Erfahrungen können bei der Wahl des Chirurgen sehr hilfreich sein.
Leben nach der Mastektomie
Für die meisten Trans*-Männer bedeutet die Mastektomie eine enorme Erleichterung. Der Wegfall des Binders, die Möglichkeit, mit freiem Oberkörper zu schwimmen, und das Gefühl, im eigenen Körper anzukommen - all das kann die Lebensqualität deutlich steigern.
Wichtig ist, die Heilungszeit zu respektieren und realistische Erwartungen an das Ergebnis zu haben. Narben verblassen mit der Zeit, und eventuelle Asymmetrien können bei Bedarf korrigiert werden.