Die Hormontherapie ist für viele Trans*-Personen ein zentraler Bestandteil der Transition. Durch die Gabe von Hormonen verändert sich der Körper in Richtung des empfundenen Geschlechts. Auf dieser Seite findest du alle wichtigen Informationen zu Wirkung, Ablauf und möglichen Nebenwirkungen.
Wie funktioniert die Hormontherapie?
Bei der Hormontherapie werden dem Körper Geschlechtshormone zugeführt, die typischerweise im empfundenen Geschlecht dominieren. Trans*-Männer erhalten Testosteron, Trans*-Frauen Östrogen (oft in Kombination mit Antiandrogenen). Die Hormone bewirken körperliche Veränderungen, die über Monate und Jahre eintreten.
Individuelle Entscheidung
Nicht jede Trans*-Person wünscht sich eine Hormontherapie - und das ist völlig legitim. Die Transition ist individuell, und du entscheidest selbst, welche Schritte für dich richtig sind.
Testosteron-Therapie (maskulinisierend)
Für Trans*-Männer und einige nicht-binäre Personen.
Verabreichungsformen
| Form | Anwendung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Injektion (i.m.) | Spritze in den Muskel | Alle 2-4 Wochen |
| Depot-Spritze | Langzeitinjektion (z.B. Nebido) | Alle 10-14 Wochen |
| Gel | Täglich auf die Haut auftragen | Täglich |
| Pflaster | Auf die Haut kleben | Täglich/alle 2 Tage |
Wirkungen von Testosteron
Frühe Veränderungen (1-6 Monate):
- Ausbleiben der Menstruation
- Fettige Haut, Akne möglich
- Gesteigerte Libido
- Klitorisvergrösserung beginnt
- Vaginale Trockenheit
Mittelfristige Veränderungen (6-24 Monate):
- Stimmbruch, tiefere Stimme (irreversibel)
- Bartwuchs beginnt
- Körperbehaarung nimmt zu
- Fettumverteilung (weniger Hüften, mehr Bauch)
- Muskelaufbau
Langfristige Veränderungen:
- Vollständiger Bartwuchs (kann Jahre dauern)
- Möglicher Haarausfall (genetisch bedingt)
- Dauerhafte Klitorisvergrösserung
Östrogen-Therapie (feminisierend)
Für Trans*-Frauen und einige nicht-binäre Personen. Meist in Kombination mit Antiandrogenen.
Verabreichungsformen
| Form | Anwendung | Häufigkeit |
|---|---|---|
| Tabletten | Oral einnehmen | 1-3x täglich |
| Gel | Auf die Haut auftragen | Täglich |
| Pflaster | Auf die Haut kleben | 1-2x wöchentlich |
| Injektion | Spritze (seltener in DE) | Wöchentlich/alle 2 Wochen |
Transdermale Anwendung
Gel und Pflaster (transdermal) gelten als sicherer bezüglich Thromboserisiko als Tabletten, da sie die Leber umgehen. Sprich mit deinem Arzt über die beste Option für dich.
Wirkungen von Östrogen
Frühe Veränderungen (1-6 Monate):
- Brustwachstum beginnt (oft empfindlich)
- Weichere Haut
- Reduzierte Libido
- Weniger spontane Erektionen
- Emotionale Veränderungen
Mittelfristige Veränderungen (6-24 Monate):
- Weiteres Brustwachstum
- Fettumverteilung (mehr Hüften, Oberschenkel, Gesäss)
- Weniger Körperbehaarung
- Verlangsamter Bartwuchs
- Hodenatrophie
Langfristige Veränderungen:
- Endgültiges Brustwachstum (nach 2-3 Jahren)
- Dauerhafte Unfruchtbarkeit möglich
Voraussetzungen für die Hormontherapie
Um Hormone verschrieben zu bekommen, sind folgende Schritte üblich:
- Diagnose: Feststellung der Geschlechtsinkongruenz durch einen Therapeuten oder Facharzt
- Indikationsschreiben: Bestätigung, dass eine Hormontherapie indiziert ist
- Endokrinologe oder Hausarzt: Erstellt das Rezept und überwacht die Therapie
- Regelmässige Kontrollen: Blutuntersuchungen alle 3-6 Monate
Kostenübernahme
Die Hormontherapie wird von den Krankenkassen übernommen. Du benötigst:
- Indikationsschreiben vom Therapeuten/Psychiater
- Rezept vom behandelnden Arzt
In der Regel übernimmt die Kasse die Kosten ohne gesonderten Antrag, sobald die Indikation vorliegt.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Bei Testosteron:
- Akne (besonders in der Anfangsphase)
- Stimmungsschwankungen
- Erhöhte Blutfettwerte
- Polyzythämie (zu viele rote Blutkörperchen)
- Leberwertveränderungen bei oraler Einnahme
Bei Östrogen:
- Thromboserisiko (besonders bei Tabletten, Rauchen, Übergewicht)
- Kopfschmerzen, Migräne
- Stimmungsschwankungen
- Gewichtszunahme
- Gallensteine
Regelmässige Kontrollen
Durch regelmässige Blutuntersuchungen können Risiken minimiert werden. Halte deine Kontrolltermine ein und sprich offen mit deinem Arzt über Beschwerden.
Ärzte für Hormontherapie in NRW
In Nordrhein-Westfalen gibt es verschiedene Anlaufstellen:
- Endokrinologische Praxen mit Trans*-Erfahrung
- Hausärzte, die sich fortgebildet haben
- Universitätsambulanzen (z.B. Münster, Essen, Köln)
- Schwerpunktpraxen in grösseren Städten
Die Beratungsstellen in NRW können dir Ärzte empfehlen, die Erfahrung mit Trans*-Personen haben.
Häufige Fragen zur Hormontherapie
Wie schnell wirken die Hormone?
Erste Veränderungen treten oft nach wenigen Wochen ein, die volle Wirkung entfaltet sich über 2-5 Jahre. Geduld ist wichtig.
Kann ich die Therapie abbrechen?
Ja, ein Abbruch ist jederzeit möglich. Einige Veränderungen bilden sich zurück, andere (wie Stimmbruch oder Brustwachstum) sind dauerhaft.
Beeinflusst die Hormontherapie meine Fruchtbarkeit?
Ja, beide Hormontherapien können die Fruchtbarkeit beeinträchtigen. Wenn du dir die Option auf biologische Kinder offen halten möchtest, sprich vor Therapiebeginn mit deinem Arzt über Möglichkeiten wie Eizell- oder Spermakonservierung.