Nicht-binär: Definition
Nicht-binär (englisch: non-binary oder enby) bezeichnet Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht ausschließlich männlich oder weiblich ist. Sie bewegen sich außerhalb oder zwischen den traditionellen Kategorien "Mann" und "Frau".
Der Begriff "binär" kommt aus dem Lateinischen und bedeutet "aus zwei bestehend". Das binäre Geschlechtersystem kennt nur Mann und Frau. Nicht-binäre Menschen passen nicht in dieses Zwei-Kategorien-System.
Vielfalt unter dem Dach "nicht-binär"
Nicht-binär ist ein Oberbegriff für viele verschiedene Identitäten. Manche Menschen fühlen sich als beides, manche als keines von beiden, manche als etwas dazwischen oder als etwas ganz anderes.
Sind nicht-binäre Menschen trans*?
Das kommt auf die Person an. Viele nicht-binäre Menschen verstehen sich als Teil der Trans*-Community, da ihre Geschlechtsidentität nicht dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht. Andere sehen sich nicht als trans*.
Beides ist gleichermaßen gültig - nicht-binäre Menschen entscheiden selbst, welche Labels für sie passen.
Verschiedene nicht-binäre Identitäten
Es gibt viele Begriffe für verschiedene nicht-binäre Erfahrungen:
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Nicht-binär / Non-binary | Oberbegriff für Identitäten außerhalb des binären Systems |
| Genderqueer | Geschlechtsidentität, die traditionelle Normen in Frage stellt |
| Genderfluid | Geschlechtsidentität, die sich über Zeit verändert |
| Agender | Kein Geschlecht oder geschlechtslos |
| Bigender | Zwei Geschlechter, oft männlich und weiblich |
| Demiboy / Demigirl | Teilweise männlich / teilweise weiblich |
| Neutrois | Neutrales oder geschlechtsneutrales Geschlecht |
Diese Liste ist nicht vollständig - Geschlecht ist vielfältig, und es gibt so viele Wege, es zu erleben, wie es Menschen gibt.
Pronomen für nicht-binäre Menschen
Nicht-binäre Menschen verwenden unterschiedliche Pronomen:
- Sie/ihr - traditionell weibliche Pronomen
- Er/ihm - traditionell männliche Pronomen
- Sie/er oder er/sie - Wechsel zwischen beiden
- Kein Pronomen - nur der Name wird verwendet
- Neopronomen wie dey/dem, xier/xiem, sier/siem
Welches Pronomen verwenden?
Frage einfach: "Welche Pronomen verwendest du?" Das ist respektvoll und zeigt, dass du die Person ernst nimmst. Wenn du dich versprichst, korrigiere dich kurz und mach weiter - lange Entschuldigungen sind unnötig.
Rechtliche Situation in Deutschland
Seit 2018 gibt es in Deutschland die Option "divers" als dritten Geschlechtseintrag. Mit dem Selbstbestimmungsgesetz (2024) können nicht-binäre Menschen ihren Geschlechtseintrag einfacher ändern:
- Geschlechtseinträge: männlich, weiblich, divers oder kein Eintrag
- Verfahren: Erklärung beim Standesamt (3 Monate Wartezeit)
- Vorname: Kann frei gewählt werden
Wie erleben nicht-binäre Menschen ihr Geschlecht?
Das ist so unterschiedlich wie die Menschen selbst. Einige Beispiele:
- Manche fühlen sich weder als Mann noch als Frau
- Manche fühlen sich als beides gleichzeitig
- Manche erleben ihr Geschlecht als fließend - mal mehr männlich, mal mehr weiblich
- Manche haben ein Geschlecht, das sich von Mann und Frau unterscheidet
- Manche lehnen das Konzept "Geschlecht" für sich ab
Medizinische Transition bei nicht-binären Menschen
Manche nicht-binäre Menschen wünschen sich medizinische Maßnahmen, andere nicht. Mögliche Schritte können sein:
- Hormontherapie: Oft mit individuell angepasster Dosierung
- Operationen: Z.B. Mastektomie ohne volle maskulinisierende Transition
- Keine Maßnahmen: Viele nicht-binäre Menschen leben ohne medizinische Eingriffe
Der Zugang zu medizinischen Maßnahmen war für nicht-binäre Menschen lange erschwert. Die Situation verbessert sich, aber es gibt noch Hürden.
Häufige Fragen
Ist nicht-binär "nur ein Trend"?
Nein. Geschlechtervielfalt gab und gibt es in vielen Kulturen weltweit. Was neu ist, ist die Sprache dafür und die Sichtbarkeit. Mehr Menschen haben heute die Worte, um ihre Erfahrung zu beschreiben.
Wie spreche ich nicht-binäre Menschen an?
Frage nach den bevorzugten Pronomen und dem Namen. Verwende geschlechtsneutrale Anreden wie "Guten Tag" statt "Sehr geehrter Herr/Frau". Wenn du dir unsicher bist, frag einfach.
Sehen nicht-binäre Menschen androgyn aus?
Nicht unbedingt. Nicht-binäre Menschen sehen genauso unterschiedlich aus wie alle anderen. Manche kleiden sich androgyn, andere eher maskulin oder feminin. Das Aussehen sagt nichts über die Geschlechtsidentität aus.
Unterstützung für nicht-binäre Menschen in NRW
Auch nicht-binäre Menschen finden in NRW Unterstützung:
- Trans*-Beratungsstellen: Die meisten sind auch für nicht-binäre Menschen offen
- Selbsthilfegruppen: Einige haben explizite nicht-binäre Angebote
- Online-Communities: Austausch mit anderen nicht-binären Menschen