Transsexualität ist zuallererst eine Selbstdiagnose. Wenn sich Betroffene mit ihrer Situation auseinandergesetzt und für einen entsprechenden Weg entschieden haben, werden sie mit einer Fülle von psychologischen, sozialen, ökonomischen sowie medizinischen und juristischen Fragen konfrontiert.
Betrachtet man die Vielzahl der Internetauftritte und Veröffentlichungen von Selbsthilfegruppen und Organisationen, zeigt sich schnell ein ganzes Spektrum von Selbstbezeichnungen und Definitionen. Begriffe zu finden, die allen Lebensentwürfen und Geschlechtsidentitäten gerecht werden, ist daher nicht einfach.
Hinweis zur Sprache
Die hier verwendeten Begriffe sind nicht abschließend. Jeder Mensch entscheidet selbst, welche Bezeichnung am besten passt. Sprache entwickelt sich stetig weiter.
Transsexuelle, transsexuell
Der Begriff wird im Sinne des Transsexuellengesetzes (TSG) als Bezeichnung für Menschen verwendet, die von einem der beiden juristischen Geschlechter dem anderen durch Vornamens- und/oder Personenstandsänderung nach TSG "zugeordnet" wurden. Er umfasst auch Personen, die sich im Verfahren zur Vornamensänderung (VAe) oder Personenstandsänderung (PAe) befinden oder dieses in Kürze anstreben. Mehr zum Begriff "transsexuell"
Transidente, transident
Manche Betroffene lehnen die Begriffe "Transsexuelle" und "transsexuell" aufgrund des darin enthaltenen Wortes "sexuell" ab, da dieses einen falschen Bezug zur Sexualität oder sexuellen Orientierung herstellen kann. Mit dem Begriff "transident" betonen sie den Bezug zur Identität statt zur Sexualität. Mehr zu verwandten Begriffen
Transfrau
Transfrauen haben eine weibliche Geschlechtsidentität bei vormals zugewiesenem männlichen Geschlecht. Sie identifizieren sich als Frauen und möchten in der Regel auch als solche wahrgenommen und angesprochen werden. Ausführliche Informationen zu Transfrauen
Transmann
Transmänner haben eine männliche Geschlechtsidentität bei vormals zugewiesenem weiblichen Geschlecht. Sie identifizieren sich als Männer und möchten entsprechend wahrgenommen werden. Ausführliche Informationen zu Transmännern
Frau/Mann mit transsexueller Vergangenheit
Diese Bezeichnung wählen manche Menschen, für die Transsexualität ein Durchgangsstadium auf dem Weg in ihr Identitätsgeschlecht als Frau oder Mann ist. Nach abgeschlossener Transition sehen sie sich einfach als Frau oder Mann - ohne den Zusatz "trans".
Trans*, Trans*Mensch, trans*
Trans* ist ein recht junger, im deutschsprachigen Raum verbreiteter Oberbegriff, der die Existenz einer Vielfalt von geschlechtlichen Identitäten abbildet. Das Sternchen (*) steht symbolisch für diese Vielfalt und schließt alle Menschen ein, deren Geschlechtsidentität nicht (nur) dem bei Geburt zugewiesenen Geschlecht entspricht.
Der Begriff umfasst auch Menschen, die sich mehr "im Dazwischen" oder jenseits von Geschlecht verorten - also nicht zwingend als Frau oder Mann.
Transgeschlechtlichkeit, transgeschlechtlich
Vergleichbar mit Trans* beschreibt der Begriff eine Vielzahl geschlechtlicher Identitäten und Ausdrucksweisen jenseits der Zwei-Geschlechter-Norm, ohne auf das medizinische Vokabular zurückzugreifen.
Transphobie
Transphobie bezeichnet die Furcht vor und/oder Aversion gegen Menschen, die die Grenzen der Zweigeschlechtlichkeit durch ihre Geschlechtsidentität oder ihren Geschlechtsausdruck überschreiten.
Diese Abscheu führt zu negativen Einstellungen und Vorurteilen, zur Stigmatisierung und Abwertung transgeschlechtlicher Menschen, zur Verleugnung der Existenz von Transsexualität sowie zu Diskriminierung und Gewalt. Transphobie hat wie Homophobie, Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus sowohl eine gesellschaftliche als auch eine politische Dimension.
Gut zu wissen
Transphobie kann alle Menschen treffen, deren Verhalten als "abweichend" wahrgenommen wird - unabhängig davon, ob sie tatsächlich trans* sind.
Cross-Dressing
Bezeichnet das Tragen der spezifischen Kleidung des anderen Geschlechts (im Sinne des Geschlechts, dem man nicht bei Geburt zugewiesen wurde) - unabhängig vom jeweiligen Beweggrund. Der Begriff ist im englischen Sprachraum und innerhalb der Trans*Community verbreitet.
Transition
Transition bezeichnet den gesellschaftlichen Übergang von einem juristischen Geschlecht in das andere. Dazu gehören in der Regel:
- Juristische Maßnahmen: Vornamensänderung und ggf. Personenstandsänderung nach TSG
- Medizinische Maßnahmen: Hormontherapie, geschlechtsangleichende Operationen
- Soziale Transition: Coming-Out, Namensänderung im Alltag
Für den Zeitraum einer Transition gibt es keine objektiven Kriterien. Die Transition ist dann zu Ende, wenn der transitionierende Mensch sie für beendet erachtet.
Passing
Passing bezeichnet sowohl das subjektive Gefühl, im Alltag in der eigenen Geschlechtsidentität wahrgenommen zu werden, als auch objektivierbare Kriterien wie:
- Die reibungslose Verwendung des richtigen Pronomens und Vornamens durch andere
- Die Inklusion in geschlechtsspezifische soziale Kontexte
- Die "richtigen" gesellschaftlich üblichen Reaktionen des Umfelds
Der Grad der nötig empfundenen körperlichen Angleichung variiert je nach Region, sozialem und kulturellem Umfeld.
Coming-Out
Bezeichnet die bewusste und gezielte Offenbarung der eigenen Geschlechtsidentität gegenüber anderen - in der Regel in Form eines Gespräches, einer E-Mail, eines Briefes oder anderer Kommunikationsmedien.
Vornamensänderung (VAe)
Die Vornamensänderung nach Paragraph 1 TSG erfordert die Beantwortung der Frage, ob mit hoher Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass sich das Zugehörigkeitsempfinden der beantragenden Person zum anderen Geschlecht nicht mehr ändern wird.
Das Gericht holt hierzu zwei unabhängige psychologische Gutachten ein. Nach erfolgter Vornamensänderung greift das sogenannte Offenbarungsverbot (Paragraph 5 TSG): Die alten Vornamen dürfen dann ohne Zustimmung nur noch offenbart werden, wenn besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern.
Personenstandsänderung (PAe)
Seit dem Beschluss des Bundesverfassungsgerichts vom 11.1.2011 gelten für die Personenstandsänderung dieselben Bedingungen wie für die Vornamensänderung. Die früheren Voraussetzungen (Ehelosigkeit, geschlechtsangleichende Operationen, Unfruchtbarkeit) wurden für verfassungswidrig erklärt.
Intersexualität / Intergeschlechtlichkeit
Intergeschlechtliche Personen sind Menschen, die sich im Hinblick auf ihr chromosomales, gonadales oder anatomisches Geschlecht nicht in die medizinische Norm männlicher und weiblicher Körper einordnen lassen.
Intersexuelle Menschen, deren Geschlechtsidentität nicht dem Geschlecht entspricht, das ihnen bei Geburt zugewiesen wurde, wählen oft den Weg nach TSG, um ihren Vornamen und Personenstand zu ändern.
Wichtig
Intersexualität und Transidentität sind zwei verschiedene Dinge. Nicht alle intersexuellen Menschen sind trans*, und nicht alle trans* Menschen sind intersexuell.
Zusammenfassung
| Begriff | Bedeutung |
|---|---|
| Transsexuell | Juristischer/medizinischer Begriff nach TSG |
| Transident | Betont die Identität statt Sexualität |
| Trans* | Oberbegriff für geschlechtliche Vielfalt |
| Transfrau | Frau mit zugewiesenem männlichen Geschlecht |
| Transmann | Mann mit zugewiesenem weiblichen Geschlecht |
| Transition | Prozess der Geschlechtsangleichung |
| Passing | Im gewünschten Geschlecht wahrgenommen werden |