Trans* am Arbeitsplatz

Arbeitsrechtliche Informationen für Trans* Menschen: Diskriminierungsschutz, Coming-out im Job, Zeugnisänderung und deine Rechte als Arbeitnehmer*in.

Das Arbeitsleben stellt Trans* Menschen vor besondere Herausforderungen - vom Coming-out am Arbeitsplatz über die Änderung von Arbeitszeugnissen bis hin zum Schutz vor Diskriminierung. Diese Seite gibt einen Überblick über die wichtigsten rechtlichen Grundlagen.

Wichtig: Selbstbestimmungsgesetz seit November 2024

Mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz (SBGG) gelten neue Regelungen. Das Offenbarungsverbot wurde gestärkt und gilt nun auch für Arbeitgeber. Verstöße können mit Bußgeldern geahndet werden.

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)

Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Trans* Menschen ausdrücklich vor Diskriminierung im Arbeitsleben. Der Schutz umfasst:

Wichtige Frist beachten

Ansprüche nach dem AGG müssen innerhalb von 2 Monaten nach dem diskriminierenden Vorfall schriftlich geltend gemacht werden. Diese Frist ist sehr kurz - handele daher schnell und hole dir bei Bedarf rechtliche Unterstützung.

Das Offenbarungsverbot

Nach erfolgter Vornamens- und/oder Personenstandsänderung gilt das Offenbarungsverbot. Das bedeutet:

Was ist geschützt?

Die früheren Vornamen dürfen ohne Zustimmung der betroffenen Person nicht offenbart oder ausgeforscht werden. Dies gilt auch im Arbeitskontext.

Pflicht zur Zeugnisänderung

Arbeitszeugnisse, Bescheinigungen und arbeitsrechtliche Dokumente müssen auf den neuen Namen geändert werden. Der ehemalige Arbeitgeber ist zur Neuausstellung verpflichtet.

Verstöße nach SBGG

Mit dem Selbstbestimmungsgesetz können Verstöße gegen das Offenbarungsverbot als Ordnungswidrigkeit mit Bußgeldern geahndet werden - auch durch Arbeitgeber.

Bewerbung und Vorstellungsgespräch

Keine Pflicht zum Outing

Ein wichtiges Urteil des Bundesarbeitsgerichts (BAG) stellt klar: Trans* Menschen sind nicht verpflichtet, sich bei Vorstellungsgesprächen zu outen - auch nicht, wenn das Geschlecht für die Tätigkeit relevant erscheint.

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Rechtliche Absicherung

Der Arbeitgeber kann den Arbeitsvertrag nicht wegen "arglistiger Täuschung über das Geschlecht" anfechten, wenn eine Trans* Person ihre Transidentität nicht offenbart hat.

Probleme beim Arbeitsmarktzugang

Leider bestehen weiterhin Hürden beim Zugang zum Arbeitsmarkt:

Wenn du Diskriminierung im Bewerbungsverfahren erlebst, dokumentiere alles sorgfältig und hole dir rechtliche Beratung.

Coming-out am Arbeitsplatz

Das Coming-out am Arbeitsplatz ist eine sehr persönliche Entscheidung. Einige Aspekte, die zu bedenken sind:

Zeitpunkt

Es gibt keinen "richtigen" Zeitpunkt. Manche outen sich früh, andere warten bis zur rechtlichen Änderung. Beides ist in Ordnung.

Vorbereitung

Informiere dich über deine Rechte. Sprich ggf. vorher mit HR oder einer Vertrauensperson. Manche Unternehmen haben LGBTQ+ Netzwerke.

Unterstützung

Suche dir Unterstützung - sei es durch Beratungsstellen, Selbsthilfegruppen oder Gewerkschaften.

Arbeitskleidung

Ein Grundsatzurteil des Landesarbeitsgerichts Berlin hat klargestellt: Trans* Menschen haben einen Rechtsanspruch auf Arbeitskleidung entsprechend ihrer Geschlechtsidentität - auch vor der rechtlichen Vornamensänderung.

Im konkreten Fall wurde die BVG (Berliner Verkehrsbetriebe) dazu verurteilt, einer Trans* Frau weibliche Dienstkleidung als Busfahrerin zur Verfügung zu stellen. Die Verweigerung entsprechender Arbeitskleidung ist kein Kündigungsgrund.

Mobbing und Diskriminierung

Leider erleben Trans* Menschen am Arbeitsplatz häufig Diskriminierung:

Was tun bei Diskriminierung?

  • Dokumentieren: Führe ein Tagebuch über Vorfälle (Datum, Uhrzeit, Beteiligte, Zeugen)
  • Melden: Wende dich an HR, Betriebsrat oder die Antidiskriminierungsstelle
  • Fristen beachten: AGG-Ansprüche müssen innerhalb von 2 Monaten geltend gemacht werden
  • Beratung holen: Gewerkschaften, Beratungsstellen oder Anwält*innen können unterstützen

Änderung von Arbeitszeugnissen

Nach der Vornamens- und Personenstandsänderung hast du einen Anspruch darauf, dass Arbeitszeugnisse auf den neuen Namen ausgestellt werden.

Häufige Probleme

Anlaufstellen und Unterstützung

Antidiskriminierungsstelle des Bundes

Die ADS berät kostenlos bei Diskriminierung und kann zwischen den Parteien vermitteln.

📞 030 18555-1855 🌐 antidiskriminierungsstelle.de

Gewerkschaften

Ver.di, IG Metall und andere Gewerkschaften bieten Rechtsberatung für Mitglieder und setzen sich für LGBTQ+ Rechte ein.

Beratungsstellen in NRW

Die Trans* Beratungsstellen in NRW können bei arbeitsrechtlichen Fragen unterstützen und an spezialisierte Stellen vermitteln.

Beratungsstellen finden →

Checkliste: Transition am Arbeitsplatz

  1. Informieren: Kenne deine Rechte (AGG, Offenbarungsverbot, SBGG)
  2. Planen: Überlege, wann und wie du dich outen möchtest
  3. Unterstützung suchen: Beratungsstellen, Betriebsrat, LGBTQ+ Netzwerke
  4. Gespräch mit HR: Kläre praktische Fragen (Name in Systemen, E-Mail, Toiletten)
  5. Dokumente ändern: Arbeitszeugnisse, Verträge, interne Systeme
  6. Dokumentieren: Bei Problemen alles schriftlich festhalten

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